Ein M&A-Deal entsteht nicht erst mit der Signatur – und er ist auch nicht mit ihr abgeschlossen. Häufig beginnt die eigentliche Arbeit erst nach dem Closing: Zwischen den Annahmen der Transaktion und der operativen Realität klafft oft eine Lücke. Was im Modell überzeugend wirkt, kann im Alltag schnell ins Stocken geraten: Systeme passen nicht zusammen, geplante Synergien bleiben aus, und Forecasts verlieren ihre Aussagekraft, sobald die Umsetzung startet.
Genau an dieser Stelle liefert Extended Planning & Analysis (xP&A) einen entscheidenden Hebel.
In diesem Beitrag zeigen wir, wie xP&A M&A-Prozesse von der Due Diligence bis zur Post-Merger-Integration unterstützt – und wie sich dadurch unangenehme Überraschungen nach dem Deal deutlich reduzieren lassen.
Was steckt hinter Extended Planning & Analysis (xP&A)?
xP&A geht über klassische Finanzplanung hinaus: Es verbindet operative Teilpläne und Finanzplanung in einem gemeinsamen, konsistenten Modell – etwa aus Finanzen, Vertrieb, Operations oder HR. Anstatt Dateien zwischen Abteilungen zu verschicken und manuell abzugleichen, arbeiten alle Teams auf einer einheitlichen Datenbasis und können Veränderungen in (nahezu) Echtzeit nachvollziehen.
Das Ergebnis: weniger Datensilos, weniger Reibungsverluste – und bessere Entscheidungsgrundlagen, weil strategische Ziele über Bereiche hinweg sauber abgestimmt bleiben.
Wie zeigt sich dieser Mehrwert konkret im M&A-Kontext? Ein Blick auf die Pre-Deal-Phase macht es greifbar.
Pre-Deal: Schneller zu belastbaren Bewertungen – mit deutlich weniger Reibung
In der Due Diligence werden Hypothesen überprüft, Szenarien gerechnet und Risiken quantifiziert. Wer dafür ausschließlich auf Spreadsheets oder voneinander getrennte Tools setzt, stößt schnell an Grenzen – insbesondere dann, wenn sich kurzfristig Marktbedingungen ändern oder zentrale KPIs neu bewertet werden müssen.
Mit xP&A lassen sich Szenarien deutlich schneller und strukturierter modellieren, weil aktuelle Daten, Forecasts und Synergieannahmen in einem durchgängigen Modell zusammenlaufen. So können CFOs zum Beispiel zügig beurteilen,
- wie sich ein Kundenchurn von 10 % auf EBIT und Liquidität auswirkt,
- welche Earnout-Logik das beste Verhältnis aus Risiko und Liquidität schafft,
- oder welche Synergien realistisch sind – und welche nur „auf dem Papier“ funktionieren.
Besonders stark profitieren Unternehmen, die regelmäßig akquirieren und M&A als wiederkehrenden Prozess verstehen: Wenn standardisierte Modelle und Synergie-Bibliotheken aus früheren Deals vorhanden sind, werden Bewertungen konsistenter, schneller und vergleichbarer. In der Praxis zeigt sich: Ab dem zweiten Deal kann eine standardisierte Modelllogik die Due-Diligence-Dauer deutlich reduzieren – bei gleichzeitig höherer Qualität der Entscheidungsbasis.
Post-Merger-Integration: xP&A als Steuerungs- und Frühwarnsystem
Nach dem Closing geht es um Umsetzung, Integration und das Erreichen der Synergieziele. Genau hier spielt xP&A seine zweite Stärke aus: kontinuierliches Monitoring und steuerbare Umsetzung statt reinem Reporting im Rückspiegel.
Ein Beispiel: Sinkt die geplante Cross-Selling-Quote unter einen definierten Schwellenwert, kann ein xP&A-Setup die Abweichung früh sichtbar machen, Auswirkungen auf Ergebnis und Cashflow bewerten und Handlungsoptionen ableiten. So entsteht ein Frühwarnsystem, das CFOs unterstützt, rechtzeitig gegenzusteuern – bevor aus Abweichungen echte Wertverluste werden.
Zusätzlich lassen sich auf Basis desselben Datenmodells zielgruppengerechte Szenarien bereitstellen:
- Management arbeitet mit deal-relevanten Base-Case-Zahlen,
- Controlling und Customer Success erhalten konservativere Targets inklusive Puffer,
- alle Teams bleiben dennoch auf einer gemeinsamen, konsistenten Datenlogik.
Drei zentrale Vorteile von xP&A für M&A-Transaktionen
Der gemeinsame Nenner erfolgreicher M&A-Projekte ist eine konsistente Datenbasis – für Planung, Bewertung und Integration. Genau das liefert xP&A: Es verbindet Finanz-, Vertriebs- und Personalplanung in einem durchgängigen Modell und ermöglicht faktenbasierte Entscheidungen über den gesamten Transaktionsverlauf hinweg.
Für CFOs entstehen daraus drei konkrete Vorteile:
- Höhere Qualität in der Pre-Deal-Bewertung
Szenarien, Sensitivitäten und Annahmen lassen sich strukturiert testen – Risiken werden früher sichtbar und überprüfbar. - Mehr Steuerungsfähigkeit nach dem Closing
Synergieziele, Cashflow-Effekte und Integrationsfortschritte werden messbar und lassen sich laufend aktiv managen – statt nur im Nachhinein zu erklären. - Skalierbare Lernkurve über mehrere Deals hinweg
Jede Transaktion speist Erkenntnisse zurück ins Modell. So entsteht ein wiederverwendbares Framework, das kommende Deals schneller, konsistenter und planbarer macht.
Unterm Strich wird M&A damit weniger „Einmalprojekt“ – und stärker ein strukturierter, datengetriebener Prozess mit klarer Sicht auf Wert, Risiken und Potenziale.
xP&A in der Praxis: So lässt sich der Ansatz live erleben
Wer tiefer einsteigen möchte und wissen will, wie xP&A in der Praxis umgesetzt wird, findet bei Lucanet einen konkreten Anwendungsrahmen: Die xP&A-Lösung verbindet Finanz- und operative Planung auf einer Plattform und unterstützt so konsistente Daten, präzise Szenarien und schnellere Entscheidungen entlang des gesamten M&A-Prozesses – von der Bewertung bis zur Integration.
Dies ist ein Gastbeitrag von Carsten Gerger, VP Finance bei Lucanet.











